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BPDCN: Eine Herausforderung für die pathologische Diagnose

Die gesicherte Diagnose einer BPDCN kann mit unter deutlich mehr als 6 Monate dauern.1
Eine Verzögerung der Diagnose kann einen negativen Einfluss auf das Gesamtüberleben der Patienten mit historisch gesehen ohnehin schlechter Prognose haben.2–5
Biopsien von Haut und Knochenmark sind für die Diagnose der BPDCN entscheidend.5–7
Immunhistochemische Methoden und die Durchflusszytometrie sind wichtige Bestandteile der BPDCN-Diagnostik.8
Die Marker-Trias – CD123, CD4 und CD56 – kann die BPDCN-Diagnose bestätigen.*,5,6,9–11
* in Kombination mit anderen Markern (TCL1, TCF4 und CD303 (BDCA2))3,10,11
BPDCN wird mitunter erst deutlich verzögert diagnostiziert.
BPDCN (Blastische Plasmazytoide Dendritische Zellneoplasie) ist eine seltene dermatologische und hämatologische Erkrankung.2 Aufgrund ihrer Seltenheit wird die BPDCN mitunter erst spät in die Diagnostik und in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen. In einer retrospektiven Analyse betrug die mittlere Dauer zwischen dem Auftreten von Hautläsionen und der gesicherten Diagnose der BPDCN 6,2 Monate.1
Die Ähnlichkeit mit anderen malignen Erkrankungen der Haut und des Blutes kann zu Fehldiagnosen bei BPDCN beitragen.5,6,9
BPDCN kann verwechselt werden mit12-15
  • Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Diffus-großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
  • Peripheres T-Zell-Lymphom
  • Adulte T-Zell-Leukämie (ATLL)
  • Leukaemia cutis
  • Chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML)
  • Kutanes T-Zell-Lymphom (CTCL)
Historisch gesehen ist die Prognose für BPDCN sehr ungünstig.2,3,5,8 Eine Verzögerung der korrekten Diagnose kann einen negativen Einfluss auf das Gesamtüberleben haben.
Eine frühe und korrekte Diagnose ist deshalb entscheidend für eine adäquate Behandlung von Patienten mit BPDCN.9
Die Hauptsäulen der BPDCN-Labordiagnostik: Dermatohistologie und hämatologische Spezialdiagnostik
BPDCN ist durch die maligne Vermehrung plasmazytoider dendritischer Vorläuferzellen gekennzeichnet.7 Gesunde plasmazytoide dendritische Zellen (pDCs) werden normalerweise im Knochenmark produziert, zirkulieren voll ausgereift in geringen Mengen im Blut und sammeln sich in den Lymphorganen an.7
Unter hämatologischen Gesichtspunkten sind bei BPDCN-Patienten sehr häufig das Knochenmark, die Lymphknoten und das periphere Blut betroffen.7
Sehr häufig dringen maligne pDCs auch in die Dermis ein, wo sie zu Hautläsionen führen, die in Größe, Form und Farbe variieren und so das dermatologische Erscheinungsbild prägen.1,7,16,17 Der genaue Mechanismus des kutanen Tropismus der malignen pDCs ist noch nicht vollständig aufgeklärt.
Da sich eine BPDCN in der Mehrzahl der Fälle sowohl in der Haut als auch im Knochenmark manifestiert, sind die dermatologische und hämatologische Diagnostik die wichtigsten Säulen in der Diagnose der BPDCN.
HautMAnifestation bei 85 bis 90 %
Das Infiltrat verteilt sich diffus in der Dermis und breitet sich in das Unterhautfettgewebe aus, ohne die Epidermis zu befallen.3
Knochenmarksbeteiligung bei 60 bis 90 %
Die Knochenmarkbeteiligung zeigt gleichförmige atypische Zellen, die an Lymphoblasten erinnern.3
Untersuchungen von Lymphknoten, Liquor und viszeralen Organen runden das diagnostische Bild ab.18,19
BPDCN-Tumorzellen sind charakterisiert durch die Expression von CD123, CD4, CD56.*,5,6,9–11
* in Kombination mit anderen Markern (TCL1, TCF4 und CD303 (BDCA2))3,10,11
Der Marker CD123 (α-Kette des Interleukin (IL)-3-Rezeptors) ist hier von besonderer Bedeutung:
CD123 kann bei BPDCN sowohl als diagnostischer Marker, als auch als therapeutisches Target fungieren.4,5,9–11
Wesentliches Merkmal der Expression von CD123 ist:
Starke Expression auf BPDCN-Zellen (~95 %) und nur geringe Expression auf gesunden Zellen4,5,9,10,21
Insgesamt können die Marker CD123, CD4 und CD56 – in Kombination mit anderen Markern (TCL1, TCF4 und CD303 (BDCA2))3,10,11 – die BPDCN-Diagnose bestätigen.5,6,9–11
Denken Sie an die Marker-Trias „CD123-4-56“, wenn Sie eine BPDCN-Diagnose in Betracht ziehen.11
CD123
CD4
CD56
Marker-Trias*,5,6,9–11
* in Kombination mit anderen Markern (TCL1, TCF4 und CD303 (BDCA2))3,10,11
Die BPDCN Diagnose basiert auf einer immunphänotypischen Analyse durch immunhistochemische Methoden oder Durchflusszytometrie.9
Die genaue Diagnose von BPDCN erfordert mehrere positive und negative Marker.†,9,21,22
Antigene, die eine BPDCN-Diagnose bestätigen können23–27
  • CD123
  • CD4
  • CD56
  • TCL1
  • CD303 (BDCA2)
  • TCF4
Antigene die eine BPDCN-Diagnose ausschließen können2,5,24–28
T-Zell-Marker:
  • CD3
B-Zell-Marker:
  • CD20
  • CD79a
Myeloische Marker:
  • CD11c
  • CD163
  • Lysozym
  • Myeloperoxidase
Vorläuferzellmarker:
  • CD34
  • CD117
Antigene, die eine BPDCN-Diagnose bestätigen können23–27 Antigene die eine BPDCN-Diagnose ausschließen können2,5,24–28 Marker, die bei BPDCN positiv sein können24,25
  • CD123
  • CD4
  • CD56
  • TCL1
  • CD303 (BDCA2)
  • TCF4
T-Zell-Marker:
  • CD3
  • CD43
  • TdT
  • CD68
  • CD33
B-Zell-Marker:
  • CD20
  • CD79a
Myeloische Marker:
  • CD11c
  • CD163
  • Lysozym
  • Myeloperoxidase
Vorläuferzellmarker:
  • CD34
  • CD117
† Einer oder mehrere dieser Marker können in einigen Fällen von BPDCN negativ sein. Ein negativer Befund schließt die Diagnose nicht aus, macht sie jedoch weniger wahrscheinlich.
FACS-Analyse (Fluorescence- Activated Cell Sorting/Scanning)
Exemplarischer Immunphänotyp bei Erstdiagnose einer BPCDN.
Sogenanntes Blasten-Gate (CD45dim und SSCdim)
Bezogen auf die Zellen des Blasten-Gates zeigt sich eine CD56+ CD7+ Population
Bezogen auf die Zellen des Blasten-Gates zeigen sich eine CD123+ CD4+ sowie eine CD123+ CD4dim Population
(Quelle: Labor für Leukämiediagnostik, Medizinische Klinik und Poliklinik III, LMU Klinikum München).29
FACS-Analyse (Fluorescence-Activated Cell Sorting/Scanning)
Exemplarischer Immunphänotyp bei Erstdiagnose einer BPCDN. Dotblot links: Sogenanntes Blasten-Gate (CD45dim und SSCdim). Dotblot mittig: Bezogen auf die Zellen des Blasten-Gates zeigt sich eine CD56+ CD7+ Population. Dotblot rechts: Bezogen auf die Zellen des Blasten-Gates zeigen sich eine CD123+ CD4+ sowie eine CD123+ CD4dim Population (Quelle: Labor für Leukämiediagnostik, Medizinische Klinik und Poliklinik III, LMU Klinikum München).29
Eine erfolgreiche Therapie beginnt mit der richtigen Diagnose:
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Dermatologen, Hämatologen und Pathologen ist das Fundament für eine schnelle und korrekte Diagnose von BPDCN.
Die Marker-Trias CD123, CD4, CD56 ist charakteristisch für BPDCN.*,5,6,9–11
* in Kombination mit anderen Markern (TCL1, TCF4 und CD303 (BDCA2))3,10,11
Erfahren Sie im Video mehr darüber, warum CD123 bei BPDCN sowohl diagnostischer Marker als auch therapeutisches Target ist.
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